Aussichtsreiches und exponiertes Klettervergnügen an der Mittelmosel
Wichtiger Hinweis:
Die Begehung des Kletterweges Erdener Treppchen ist ein nahezu alpines Unterfangen, das ein gewisses Maß an Trittsicherheit und Schwindelfreiheit erfordert. Allerdings ist es möglich, anhand von roten, gelben und grünen Markierungspunkten, die man auf den Wegezeichen angebracht hat, den Schwierigkeitsgrad der Tour selbst zu bestimmen. Der rote Punkt markiert den schwierigsten und nachfolgend beschriebenen längsten Verlauf des Kletterweges. Die Beschilderung der Route ist recht spärlich angebracht. Gleich zu Beginn und zum Ende der Tour fehlen die Wegezeichen völlig. Vier von fünf möglichen Balken in der Kategorie "Schwierigkeit" werden von Profirouten daher für erforderlich gehalten.
Der knapp fünf Kilometer lange Kletterweg Erdener Treppchen bietet ein exzellentes, nahezu alpines und aussichtsreiches Wander- und Klettervergnügen an der Mittelmosel. Auf schmalen Pfaden und felsigen Steigen führt die Route in unzähligen Serpentinen durch die Rebenhänge zum Leizenberg hinauf. Mehrere Leiterpassagen sind in den steil abbrechenden Schieferfelsen zu durchsteigen, uralte Trockenmauern werden passiert und ständig begleiten den Wanderer traumhafte Moselpanoramen, die auch jeden Moselkenner staunend verweilen lassen. Die römische Kelteranlage von Erden setzt darüber hinaus noch historische Akzente. Der Pfad- und Steiganteil der kurzen Runde ist enorm hoch. Lediglich zu Beginn und beim Abstieg werden in kurzen Teilabschnitten asphaltierte Weinbergwege beschritten.
Die Zuwegung zum Kletterweg Erdener Treppchen führt am römischen Kelterhaus vorbei
Wir beginnen die Wanderung über den Kletterweg Erdener Treppchen auf dem hunsrückseitigen Moselufer des Weinortes Lösnich. Direkt an der Moselbrücke ist ein kostenloser Parkplatz anzutreffen. Gleich zu Beginn wird die Lösnicher Moselbrücke überschritten. Auf asphaltiertem Grund steigen wir am jenseitigen Flussufer in die Weinberge hinein. Leider hat man es versäumt, die Zuwegung zum Kletterweg mit entsprechenden Wegezeichen zu versehen. So folgen wir unserer GPX-Datei alsbald linksschwenkend bergab zur B53, die flussaufwärts an der Mosel entlang läuft. Mit dem geteerten Radweg geht es entlang der Asphaltpiste zum römischen Kelterhaus Erden hinüber. Bei der Flurbereinigung des Jahres 1992 wurden Reste eines römischen Kelterhauses aus der zweiten Hälfte des 3. Jahrhunderts freigelegt, die man heute dem Betrachter in einer überdachten Anlage präsentiert. Sie gilt als die am besten erhaltene römische Kelteranlage nördlich der Alpen.
Beim Aufstieg durch die Weinlage Erdener Pälat bieten sich erste traumhafte Moselpanoramen
Etwas versteckt und gleich hinter dem römischen Kelterhaus steigt der Kletterweg mit einem schmalen Bergpfad in den steilen Moselhang. Einer dort installierten Hinweistafel ist zu entnehmen, dass man die gesamte Route auf eigene Gefahr durchwandert und ein gewisses Maß an Trittsicherheit und Schwindelfreiheit erforderlich ist. Schon wenig später taucht die erste Leiter auf, die über einen efeuumrankten Felsvorsprung hinweg hilft. Geländerbewehrt geht es sodann in die Rebenhänge der Weinlage Erdener Prälat hinein. Erste herrliche, flussaufwärts schweifende Moselblicke erfreuen dabei die Wanderer. In der Folge führt die Route über einen mit Schiefergestein bedeckten Weinbergpfad stramm bergauf. Die Gleisanlage einer Monorackbahn wird gleich zweimal gequert. Diese, für den Zahnradbetrieb konzipierte Einschienenbahn kommt in den Steillagen der Mosel zum Einsatz, um die Weinberge zu bewirtschaften.
Von einem aussichtsreichen Rastplatz inmitten der Rebenhänge ist der Start- und Zielort Lösnich zu sehen
Schließlich trifft der schmale Weinbergspfad auf einen breiten, geteerten Wingertsweg, von dem aus eine betonierte Treppe entlang der aus Schiefergestein zusammen gefügten Wand weiterhin stramm bergan führt. Weiter oben taucht erneut eine 15sprossige Steigleiter auf, die es zu überwinden gilt. Mitten in den steilen Rebenhängen treffen die Wanderer sodann auf einen Rastplatz mit mehreren aussichtsreichen Sitzmöglichkeiten. Beim Verzehr der mitgeführten Brotzeit genießen wir unter einer lotrecht aufragenden Felswand die grandiosen Moseltalblicke. Neben dem gut einsehbaren bisherigen Routenverlauf sind tief unten im breiten Flusstal die römische Kelteranlage und der Start- und Zielort Lösnich zu sehen. Nach dieser aussichtsreichen Pause steigen wir entlang von rotbraunen Felswänden weiterhin steil bergauf. In den sich im schroffen Gestein bietenden Felsnischen haben vorhergehende Wanderer unzählige kleine, mit Namen versehene Schiefertäfelchen zurück gelassen.
Die an einer Felswand fest installierten Drahtseile sollen einen Sturz ins Bodenlose verhindern
Im steilen Moselhang vollzieht der Kletterweg alsbald einen scharfen Linksschwenk. Der schmale Bergpfad läuft an der Schienenführung der Monorackbahn entlang und ermöglicht dabei erregende Tiefblicke auf den Weinort Erden am gegenüberliegenden Moselufer. Zwei kurze Leiterpassagen sind zu überwinden. Dann führt die Route in einem ständigen Auf und Ab und felsengesäumt durch aufgelassene, inzwischen stark verbuschte ehemalige Weinberglagen. Hier tritt eine bunte Vielfalt von Fauna und Flora zu tage. Mauereidechsen huschen über die efeuumrankten Schieferfelsen hinweg und rechts und links des Weges zeigt sich gelb blühender Mauerpfeffer. Auch Goldlack hat in den engen Felsspalten einen geschützten Standort gefunden. Im weiteren Verlauf hat man auf einem kurzen Pfadabschnitt des Kletterweges an einer senkrecht aufragenden Felswand Drahtseilsicherungen angebracht, um einen Sturz in den linsseitig gähnenden Abgrund zu verhindern.
Vom Aussichtspunkt Leizenberg sind der Weinort Ürzig und die Hochmoselbrücke der B50 zu sehen
Kurze Zeit später gelangen die Wanderer zu einem weiteren hervorragenden Aussichtspunkt. Diesmal ist moselaufwärts tief unten im Flusstal der Winzerort Ürzig zu sehen und in der Ferne die gigantische Hochmoselbrücke der B50. An dieser Stelle trifft der Kletterweg auf den aus dem Moseltal aufsteigenden (W)Ürziger Bergpfad. Beide Routen führen jetzt in unzähligen Serpentinen in die Flanke des Leizenberges hinein. Bevor wir auf der Anhöhe von einer überdachten Ruhebank erneut ein traumhaftes Moselpanorama genießen können, gilt es noch eine metallene Treppe zu durchsteigen. Auf dem Leizenberg trennen sich die beiden Pfadrouten wieder. Während der (W)Ürziger Bergpfad, sich nach links wendend, über die Anhöhe verläuft, steigt der Kletterweg Erdener Treppchen weiterhin pfadig in den bewaldeten Hang. Wer möchte, kann noch einen kurzen, links abzweigenden Abstecher zur aussichtsreichen Burgberghütte unternehmen. Dann geht es anfangs mit erdigen Waldpfaden und später auf breiten asphaltierten Weinbergwegen talwärts zurück in den Start- und Zielort Lösnich. Hier endet ein kurzes aber tolles Klettererlebnis im Moseltal.
Fazit und abschließende Bemerkungen:
Der knapp fünf Kilometer lange Kletterweg Erdener Treppchen ist in der Tat ein erregendes, nahezu alpines Klettervergnügen an der Mittelmosel. Neben der pfadigen, manchmal recht ausgesetzten Route durch die Rebenhänge und aufgelassenen Weinberglagen, sind auch mehrere Leiterpassagen zu durchsteigen. Es geht an lotrecht abbrechenden Schieferfelsen entlang und über den Schienenstrang einer Monorackbahn hinweg. Dabei bieten sich fast ständig traumhafte Blicke ins Moseltal und auf die Weinorte Lösnich, Erden und Ürzig. Der Wanderer kann sich für eine grüne (leichte 2,9 km lange), gelbe (mittelschwere 3,8 km lange) oder die vorstehend beschriebene rote „schwere“ Route entscheiden. Weshalb man den Kletterweg im Zu- und Abgang seitens der Betreiber nicht mit Wegezeichen versehen hat, ist unverständlich und sehr bedauerlich. Trotz dieses Mangels ist der Route Premiumqualität im 5-Sterne-Segment zu bescheinigen. Rast- und Ruheplätze werden in genügender Zahl vorgehalten.
Tipp des Autors:
Wer konditionell gut gerüstet ist und wem die fünf Kilometer lange Route des Kletterweges Erdener Treppchen zu kurz erscheint, der kann den angrenzenden (W)Ürziger Bergpfad in die Wanderung mit einbeziehen. In Form einer stilisierten „8“ ist es möglich, die beiden Touren miteinander zu verbinden. Allerdings muss man dann den Steilaufstieg zum Leizenberg zweimal bewältigen. Die Gesamtlänge der Klettertour beträgt dann zwölf Kilometer. Profirouten wird in Kürze einen entsprechenden Wegeverlauf unter der Bezeichnung „(W)Ürziger Bergpfad und Kletterweg Erdener Treppchen“ ins Netz stellen.




















