Aussichtsreich durch das Naturschutzgebiet des Lembergs, dem König der Naheberge
Unter den Vitaltouren, allesamt Partnerwege des Soonwaldsteigs, ist der knapp 14 Kilometer langen Rundwanderung Geheimnisvoller Lemberg eine in allen Belangen herausragende Stellung beizumessen. Der ungemein hohe Pfadanteil, traumhafte Ausblicke ins Nahetal, ein idyllisch gelegener kleiner See in einem aufgelassenen Steinbruch und ein befahrbares Besucherbergwerk sorgen für ein Wandererlebnis der Superlative, das in der Region seinesgleichen sucht. Eine ganze Reihe von Infotafeln unterrichten den Wanderer über bergbauliche Relikte des Lembergs, über historische Stätten am Wegrand und schildern die üppige Flora und Fauna im 260 ha großen Naturschutzgebiet. Mehrere hölzerne Skulpturen und mit Schnitzereien versehene Ruhebänke setzen darüber hinaus Akzente mit Alleinstellungsmerkmalen, die der Runde tatsächlich etwas Geheimnisvolles verleihen, dem sich der Wanderer nicht entziehen kann.
Mit der Zuwegung der Vitaltour steigen wir in die steil abfallende Flanke des Lembergs
Die Betreiber der Vitaltour Geheimnisvoller Lemberg sehen insgesamt fünf Einstiegsmöglichkeiten vor, um in die Runde zu starten. Wir entscheiden uns für das Eingangsportal in Oberhausen an der Nahe mit der Maßgabe, dass sich die Wanderung um etwa zwei Kilometer verlängert. Dazu nutzen wir den kostenlosen Wanderparkplatz in der Dorfstraße "Im Gundert" und wandern entlang des Oberhausener Grabens in das Hagenbachtal hinein. Die Wanderer passieren das Lemberghaus und steigen auf einem Serpentinenpfad mit der ausgeschilderten Zuwegung der Vitaltour in die steile Flanke des Lembergs hinein. In halber Hanglage treffen wir schließlich auf die Hauptroute, der wir scharf rechts schwenkend folgen. Sogleich fasziniert uns die Vitaltour mit ihrer pfadigen Routenführung und dem kurz darauf anzulaufenden ersten Aussichtspunkt. Über eine Schutthalde hinweg fällt der Blick auf den Start- und Zielort Oberhausen und auf das weitläufige Plateau der Naheberge jenseits des Flusstales.
Zum Film "Vitaltour Geheimnisvoller Lemberg" von Helmut Seiwert
Der Rapunzelturm ermöglicht herrliche Ausblicke auf Duchroth, den Gagelsberg und auf Oberhausen
Wir laufen an der fabelhaft heraus geschnitzten Ruhebank des "Schlafenden Riesen" vorbei, der einer Lemberg-Sage nachempfunden ist und treffen kurze Zeit später auf das erste Relikt der ehemaligen Bergwerkstätigkeit, den Rapunzelturm. Er wurde in den 1920iger Jahren errichtet, um den Steinbruch Beutelfels mit Strom zu versorgen. Erst bei der Planung der Vitaltour im Jahre 2015 wurde der inzwischen mit Efeu vollkommen zugewachsene, aber ansonsten noch gut erhaltene Turm "wiederentdeckt". In Anlehnung an das Märchen der Gebrüder Grimm verlieh man ihm den Namen "Rapunzelturm". Heute führt eine Wendeltreppe zu einem Fenster hinauf, das herrliche Ausblicke auf die Ortschaft Duchroth, den Gagelsberg und Oberhausen tief unten im Nahetal ermöglicht. Windungsreich führt die Vitaltour auf schmalen Pfaden jetzt ständig an der mit Niedergehölzen durchsetzten, steil zur Rechten abbrechenden Kante der Naheberge entlang.
Am Lemberg wurde schwarzer Basalt abgebaut, den man zu Schotter und Pflastersteinen verarbeitete
Der Aussichtspunkt Seelenrast wird passiert während die schroffen Abbruchwände des ehemaligen Steinbruchs Beutelfels links der Route aufragen. Im weiteren Verlauf queren wir den Wanderparkplatz Silbersee und erblicken am linken Wegrand die Reste eines ehemaligen Brecherwerks. Auch hier treffen die Wanderer auf ein hölzernes Eingangsportal der Vitaltour, das durchschritten wird. Mehrere Trittstufen führen uns sodann zur einstigen Transportstraße hinauf, welche die Steinbrüche dereinst miteinander verband. Mit einem ausgeschilderten tief eingeschluchteten Abzweig von der Hauptroute gelangen die Wanderer zum idyllisch gelegenen Silbersee im aufgelassenen Steinbruch Pyramide. Auch hier hat man, wie überall am Lemberg, schwarzen Basalt gebrochen. Dieser wurde in Brechwerken zu Schotter verarbeitet, der beim Bau von Eisenbahnstrecken und im Straßenbau Verwendung fand. Von Hand wurden darüber hinaus hochwertige Pflastersteine aus dem Gestein heraus gehauen.
Zum Film "Vitaltour Geheimnisvoller Lemberg" von Helmut Seiwert
Der idyllische Silbersee im Pyramiden-Steinbruch am Lemberg ist durch Grundwassereinbrüche entstanden
Durch den immer tiefer in den Lemberg vordringenden Basaltabbau mit Hilfe von Loren und Seilwinden wurde schließlich die letzte Dichtungsschicht durchbrochen. Grundwasser drang ein und es bildete sich der heute noch sichtbare kleine See. Alle Versuche das so entstandene Gewässer leer zu pumpen blieben erfolglos. Zu Beginn der 70iger Jahre des vorigen Jahrhunderts wurde der Basaltabbau deshalb eingestellt. Die Namensgebung "Silbersee" geht wahrscheinlich auf die in den 60iger Jahren aufkommenden Karl-May-Filme, explizit die Verfilmung des Romans "Der Schatz im Silbersee" zurück. Eine Ähnlichkeit mit den kroatischen Drehorten und den steil aufragenden Basaltwänden im Pyramidenbruch am Lemberg ist nicht von der Hand zu weisen. Wir umrunden den Silbersee und kehren dann wieder zur Hauptroute der Vitaltour zurück.
Der Aussichtspunkt Merkurtempel ermöglicht herrliche Ausblicke ins Tal der Nahe
Vom Silbersee ist es nicht weit bis zum Monfortblick. An diesem schönen Aussichtspunkt haben die Betreiber eine Waldliege platziert, von der über das Hagenbachtal hinweg die Ruine der Burg Monfort zu sehen ist. Breite Waldwege führen vom Monfortblick hinüber zur bewirtschafteten Lemberghütte. Von der Terrasse der urigen Pfälzerwaldhütte genießen die Wanderer einen grandiosen Panoramablick ins Nahetal mit dem Start- und Zielort Oberhausen. Bei einem frisch gezapften Weizenbier wird große Rast gehalten, bevor wir der Beschilderung, jetzt wieder auf erdigen Waldpfaden, in einem ständigen Auf und Ab zum Aussichtspunkt Merkurtempel folgen. An dieser Stelle unterhielten die Römer ein kleines tempelartiges Bauwerk, das im Jahre 1900 freigelegt wurde. Der Kopf einer dazugehörigen Merkurfigur wird im historischen Museum der Pfalz in Speyer aufgewahrt. Auch vom Aussichtspunkt Merkurtempel schweift der Blick über einen Felsen hinweg weit ins Nahetal.
Zum Film "Vitaltour Geheimnisvoller Lemberg" von Helmut Seiwert
Die Vitaltour läuft in der Trombachschlucht ständig am munter plätschernden Gewässer entlang
Im weiteren Verlauf geht es sanft bergab. Wir verlassen das Naturschutzgebiet Lemberg. Der Streckenverlauf wechselt von schmalen, erdigen Pfaden zu breiten, fein geschotterten Forstwegen, die am Waldfriedhof Niederhausen vorbei laufen und sodann durch Wiesengelände ins Trombachtal hinein fallen. Erneut aufwärts wandernd wird das Waldgasthaus Lembergblick passiert. Bei der anschließenden Wanderung durch Waldparzellen begleitet uns die Vitaltour Ebernburg eine Weile. Beide Wanderrouten führen auf schmalen Waldpfaden an der ehemaligen Gaststätte Trombacher Hof vorbei und laufen dann talwärts in die Trombachschlucht hinein. Achtung! An einer Wegegabelung verlässt uns die Vitaltour Ebernburg. Wir folgen der linken Route und marschieren jetzt ständig am Trombach entlang. Dabei wird das Gewässer mehrmals überschritten und zuletzt mittels einer kleinen Furt durchquert. Erneut steigt die Route auf breiten Wegen in den bewaldeten Hang hinein. Der Aussichtspunkt Barbarablick wird angelaufen. Dann gelangen die Wanderer zum Besucherbergwerk Schmittenstollen
Der Schmittenstollen ist das einzige Quecksilberbergwerk in Westeuropa das für Besucher zugänglich ist
Bis zum Jahre 1938 hat man im Schmittenstollen Quecksilber abgebaut. Das ehemalige Bergwerk wurde 1981 für Besucher zugänglich gemacht und veranschaulicht die Arbeitsbedingungen der Bergleute in den zurückliegenden Jahrhunderten. Es handelt sich um das einzige Quecksilberbergwerk Westeuropas, das für Besucher zugänglich ist. Eine Bergwerksführung und der Besuch des kleinen Museums ist sehr zu empfehlen. Auf asphaltiertem Grund geht es noch einmal bergauf, bevor die Vitaltour mit einem nach rechts abzweigenden schmalen Pfad zur Abbruchkante der Naheberge zurückkehrt. Wenig später eröffnet sich ein erregender Talblick auf den Niederhausener Nahestausee. Zum Schluss zeigt sich die Route fast alpin. Die Vitaltour läuft an Felspartien vorbei, die zur linken Seite lotrecht aufragen, während das Gelände zur Rechten überaus steil abbricht. Eine ganze Reihe von traumhaften Nahetalpanoramen sorgen dabei für ein beeindruckendes Schlussszenario. Tief unten im Tal zeigt sich dabei immer wieder der Start- und Zielort Oberhausen, wo diese grandiose Vitaltour nach windungsreichem Abstieg ihr Ende findet.
Fazit und abschließende Bemerkungen:
Bei der Vitaltour Geheimnisvoller Lemberg handelt es sich ohne Zweifel um eine Rundwanderung der Superlative. Sie ist in allen Belangen im Premiumsegment einzuordnen und erhält von Profirouten in den Kategorien Landschaft und Erlebnis die Höchstzahl von fünf Bewertungssternen. Das Deutsche Wanderinstitut vergab für die 14 Kilometer lange Runde die ausgezeichneten Zahl von 90 Erlebnispunkten! Zu dieser grandiosen Bewertung leisten die traumhaften Ausblicke ins Nahetal, die geniale Routenführung, der idyllisch gelegene Silbersee und die leicht verständlichen Info-Tafeln entlang der Wanderstrecke einen entscheidenden Beitrag. Die liebevoll am Wegrand angebrachten Schnitzereien und die kunstvoll gestalteten Ruhebänke vervollständigen den hervorragenden Gesamteindruck. Die Besichtigung des Besucherbergwerks sollte man sich nicht entgehen lassen, sofern es die Zeit erlaubt. Die Vitaltour ist nahezu unverlaufbar ausgeschildert und verfügt über eine ausreichende Zahl an Rast- und Ruhemöglichkeiten.
Wichtige Hinweise des Autors:
Die Vitaltour verfügt über fünf Eingangsportale 1) Oberhausen, 2) Niederhausen, 3) Feilbingert, 4) Wanderparkplatz Silbersee, 5) Parkplatz an der Lemberghütte. Die Streckenlänge der Vitaltour beträgt etwas mehr als dreizehn Kilometer wenn man die Tour vom Wanderparkplatz Silbersee oder von der Lemberghütte aus beginnt. Beim Tourstart vom Eingangsportal Oberhausen verlängert sich die Route auf knapp sechzehn Wanderkilometer. Zudem ist gleich zu Beginn ein strammer Anstieg zu bewältigen.





















