Auf wilden, wurzeligen Pfaden durch die steilen Wiedhänge
Die knapp 20 Kilometer lange 8. und letzte Etappe des Wiedweges von Niederbreitbach bis zur Mündung der Wied in den Rhein bei Neuwied-Irlich besticht durch ihre pfadige Routenführung. Der Fernwanderweg folgt auf seinem letzten Teilabschnitt dem windungsreichen Lauf der Wied und führt oftmals an bizarren Felsformationen vorbei. Mehrmals wird dabei der Fluss überschritten. Naturbelassene Wege, wurzelige Steige und erdige Waldpfade bestimmen das abwechslungsreiche Routenprofil. Eine ganze Reihe von kurzen, strammen Anstiegen müssen allerdings bewältigt werden, bevor das Ziel in Neuwied-Irlich erreicht wird. Asphaltierte Streckenverläufe sind in den Ortslagen, ansonsten nur recht selten anzutreffen. Etwa in der Hälfte der Streckenwanderung trifft man auf die Burgruine Altwied, die leider nicht begangen werden kann.
Gleich zu Beginn führt der Wiedweg pfadig und hoch über dem Fluss an der Wied entlang
Wir beginnen die Tour auf dem Wanderparkplatz am Campingplatz Neuerburg in Niederbreitbach. Hier steht kostenloser Parkraum in ausreichender Zahl zur Verfügung. Mit einem asphaltierten Pfad führt uns der Wiedweg vorbei an Trimmgeräten durch eine imposante Baumallee. Das sich anschließende Sportgelände wird umschritten, bevor die Route auf einem erdigen Pfad in den Wald hinein steigt. Rechts des Weges ragen erregende Felsformationen auf, während zur linken Seite das Gelände nahezu lotrecht zur Wied hin abbricht. Eine Weile geht es hoch über die Wied am Fluss entlang. Dann senkt sich der Wiedweg ab und trifft auf die L255. Nach einem Blick in die weitläufigen Wiedauen geht es links schwenkend mit der Straßenbrücke über die Wied und sodann ein kurzes Stück an der Asphaltpiste entlang. Am Ortsrand von Niederbreitbach queren die Wanderer die Landstraße und wandern in das Wiedtal hinein. Der anfangs breite Fahrweg führt am Waldrand entlang und steigt wenig später pfadig in den Hang.
Von einem Felsennest fällt ein erregender Tiefblick in Wiedtal und auf die Wiedbrücke bei Datzeroth
Nachdem der Höhenzug überschritten ist, gelangen wir zur Wiedschleife bei Bürger. Am jenseitigen Flussufer zeigt sich der Camping- und Ferienpark „Zum stillen Winkel“. Gleich hinter der Wiedschleife führt die Route auf schmalen Pfaden anhaltend bergan. Diesmal ragen links der Route bizarre Schieferfelsen auf und Wurzelteller umgestürzter Baumriesen müssen umgangen werden. Auf der Anhöhe vollzieht der Wiedweg einen scharfen Linksknick und führt uns, stramm ansteigend, über eine Gratschneide zu einem herausragenden Aussichtspunkt hinauf. Von einer Sitzgruppe fällt ein grandioser Tiefblick ins Wiedtal und auf die Wiedbrücke bei Datzeroth. Hier wird ausgiebige Wanderrast gehalten um die tollen Ausblicke eine Weile zu genießen. Nach der Wanderpause treten wir auf eine ausgedehnte Freifläche hinaus. Dann geleiten breite Waldwege die Wanderer in mehreren scharfen Kehren bergab ins Wiedtal.
Das Wasserrad der Laubachsmühle an der Einmündung des Laubachs in die Wied ist noch in Betrieb
Im Talgrund treffen wir auf den Westerwaldort Datzeroth. Am Rand der Bebauung vollzieht der Wiedweg einen scharfen Linksschwenk, quert den Wiedzulauf Dombach und steigt mit Geländern bewehrt in den bewaldeten Wiedhang. Pfadig und in einem ständigen Auf und Ab geht es auf einer Länge von 1,5 Kilometern durch den Frühlingswald. Mehrmals öffnet sich der dichte Bewuchs und ermöglicht über die L255 hinweg Ausblicke auf die Wied, die dem Rhein zustrebt. Schließlich wird der Mäherbach überschritten, der hier in die Wied einmündet. Hinter dem metallenen Steg steigt die Route in Serpentinen erneut überaus steil in den Hang um wenig später wieder genauso steil zur L255 hinab zu fallen. Wie schon zuvor geht es auf erdigen Waldpfaden einen weiteren Kilometer hoch über der Landstraße durch das Wiedtal. Dann gelangen die Wanderer zur Laubachsmühle. Das oberschlächtige Wasserrad der ehemaligen Pulvermühle an der Einmündung des Laubachs in die Wied ist heute noch in Betrieb.
Burg Altwied thront auf einem Felsensporn, der auf drei Seiten von der Wied umflossen wird
Die Laubachsmühle beherbergt heute ein viel besuchtes Ausflugslokal, dass auf der Route des Wiedweges zur Einkehr einlädt. Zudem lockt an dieser Stelle ein links abzweigender Abstecher mit der Routenführung des Rheinsteigs und entlang des Laubaches zum Laubachwasserfall, den wir allerdings aus Zeitgründen unterlassen mussten. So setzen wir unsere Streckenwanderung über den Wiedweg fort und steigen von der Laubachsmühle erneut steil in den Wiedhang hinein. Auch in dem nun folgenden Teilabschnitt nach Altwied glänzt der Wiedweg mit seinem pfadigen Verlauf. Eine Schutzhütte wird passiert bevor die Route in die Ortschaft Altwied hinein fällt. Hoch über dem Westerwaldort ragt auf einem Felsensporn, der auf drei Seiten von der Wied umflossen wird, die Burgruine Altwied auf. Es handelt sich dabei um die Stammburg der Grafen von Wied. Mitte des 12. Jahrhunderts errichtet wurde Burg Altwied zeit ihres Bestehens nie bekämpft, erobert oder zerstört. Vielmehr haben die Herren zu Wied das Gemäuer, als es seinen Zweck nicht mehr erfüllte, dem Verfall preisgegeben. Heute ist das Burggelände leider nicht zugänglich.
An der Wiedmündung in Neuwied-Irlich endet die überraschend kurzweilige letzte Etappe des Wiedweges
Unterhalb der Ortschaft Altwied überqueren die Wanderer die Wied über die historische Steinbrücke von 1648. Breite Wege führen durch das Altwieder Wohngebiet „Am Brückenstein“ und kurz darauf über den der Wied zufließenden Moorbach hinweg. In Segendorf wird der Fluss erneut überschritten. Diesmal läuft der Wiedweg am linken Wiedufer entlang. Wir nutzen einen kurzen pfadigen, wenige Meter messenden Stichweg um direkt ans Flussufer heran zu treten und die wilde Ufervegetation in Augenschein zu nehmen. In Niederbieber wird die Wied ein letztes Mal gequert. Von der Wiedrücke beobachten die Wanderer Nutrias, also Bisamratten, die sich auf einer Sandbank mitten im Fluss tummeln. Auch im letzten Drittel der Tour wartet der Wiedweg immer wieder mit pfadigen Verläufen auf, bevor die achte und überraschend kurzweilige letzte Etappe des Fernwanderweges an der Wiedmündung in Neuwied-Irlich ihr Ende findet.
Fazit und abschließende Bemerkungen:
Die knapp 20 Kilometer messende 8. und letzte Etappe des Fernwanderweges entlang der Wied von Niederbreitbach nach Neuwied-Engers überrascht mit ihrem pfadigen Verlauf. Ein enormer Anteil der Wanderstrecke führt auf erdigen Waldpfaden und wurzeligen Steigen durch das windungsreiche Wiedtal. Der verbleibende Rest wird auf naturbelassenen Wald- und Wiesenwegen zurückgelegt. Auf einem nicht geringen Teil führt die Route direkt an der Wied entlang. So ist der letzte Teilabschnitt des Wiedweges durchaus im Premiumsegment einzuordnen. Vier Sterne in den Kategorien Landschaft und Erlebnis scheinen angemessen zu sein. Absolute Highlights fehlen leider völlig. Die Burgruine Altwied ist nicht begehbar. Allein der traumhafte Ausblick von der Sitzgruppe hoch über Datzeroth hinab ins Wiedtal reicht nicht aus für die Einordnung in eine 5-Sterne-Bewertung. Die Beschilderung der Streckenwanderung ist vollständig und gut sichtbar angebracht. Rast- und Ruheplätze sind in ausreichendem Maße entlang des Weges vorhanden.






















